Fleischersatzprodukte auf dem Vormarsch – gut für Tier und Klima?

Die Produktion von pflanzlichen Fleischersatzprodukten in Deutschland wird erst seit Anfang 2019 vom Statistischen Bundesamt erhoben. Seitdem steigen die Produktionszahlen kontinuierlich an. Im ersten Halbjahr 2020 wurden mit 40,4 Tausend Tonnen im Vergleich zum selben Zeitraum 2019 11,3 Tausend Tonnen mehr Fleischersatzprodukte für den Absatz produziert, was einen Anstieg von knapp 40% darstellt.

Im gesamten Jahr 2019 erzielte die Produktion von Fleischersatzprodukten einen Wert von knapp 273 Millionen Euro. Im Gegensatz dazu lag der Produktionswert der Kategorien Fleisch, Geflügelfleisch sowie verarbeitetem Fleisch 2019 bei über 40 Milliarden Euro. Trotz dieser großen Differenz, haben dem Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zufolge bereits die Hälfte aller Deutschen schon einmal vegetarische Fleisch- oder Wurstersatzprodukte probiert. Besonders Jüngere sind vegetarischen Alternativen zu Fleisch gegenüber aufgeschlossen. 

Der Report zeigt außerdem, dass in Deutschland insgesamt seltener Fleisch gegessen wird. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Vegetarier (5%) und Veganer (1%) zwischen 2019 und 2020 wenig oder nicht verändert. Die Reduktion des Fleischkonsums findet also bereits mehr Anklang in der breiteren Masse. So bezeichnen sich 55% der Deutschen als “Flexitarier” – also Fleischesser, die gelegentlich bewusst auf Fleisch verzichten.

Die vier wichtigsten Gründe von Konsumenten für den Kauf von Fleischersatzprodukten sind Tierschutz und Wohlbefinden der Tiere (86 %), Gesundheitsaspekte (83 %), Neugierde (64 %) sowie Umwelt- und Klimaüberlegungen (61 %). Tatsächlich ist die Fleischproduktion bekanntermaßen für die Umwelt sehr belastend, denn Tierhaltung – worunter allerdings unter anderem auch die Haltung von Tieren für Milch- oder Wollproduktion fällt – verursacht 15 % der weltweiten Treibhausgasemissionen. Rindfleisch ist durch den Methanausstoß der Wiederkäuer zwei bis dreimal emissionsreicher als Schweinefleisch oder Geflügel.

Aber sind die vegetarischen und veganen Lebensmittel denn überhaupt besser für das Klima? Die nachstehende Grafik der The Mother Nature GmbH verdeutlicht die Klimawirkungen von Fleisch- und Fleischersatzprodukten. Es wird deutlich, dass Fleischersatzprodukte bezüglich der Treibhausgasemissionen mindestens genau so gut, meist aber sogar sehr viel besser abschneiden als herkömmliche Fleischprodukte.

Quorn hat mit 4,4 kg CO2-Äquivalente (CO2e) pro Kilogramm Lebensmittel fast die gleiche Treibhausgasbilanz wie Schweinefleisch mit 4,9 CO2e pro Kilogramm. Die beste Klimabilanz haben Produkte auf Soja-Basis wie Tempeh und Tofu. Es lohnt sich aber ein genauerer Blick auf Soja. Die Nachfrage nach Soja steigt weltweit an, wobei 93 % des in Europa nachgefragten Sojas für Tierfutter genutzt werden. Für die immer neuen Anbauflächen wird unter anderem Regenwald gerodet, wodurch darin gespeichertes CO2 in die Atmosphäre gelangt. So angebautem Soja werden statt 1 kg CO2 pro Kilogramm Lebensmittel bis zu 17,8 kg CO2 pro Kilogramm zugerechnet. Die Herkunft des Sojas im Sojaprodukt spielt also eine wichtige Rolle für die dem Produkt zuzurechnenden CO2-Emissionen.

Trotz etwaiger Negativbeispiele wie dem Sojaanbau, kann der Nachfragetrend nach Fleischersatzprodukten für das Klima positiv bewertet werden. Wie die Mother Nature GmbH berechnet hat, wurden mit dieser Entwicklung im Jahr 2020 80 bis 180 Tausend Tonnen CO2e eingespart, sofern durch den Konsum von Fleischersatzprodukten die gleiche Menge an Fleisch verdrängt wurde. Das entspricht dem jährlichen CO2-Fußabdruck von bis zu 17.300 Deutschen. Konsumenten können also etwas für die Umwelt tun, indem sie Fleischersatzprodukte anstatt Fleisch essen.  Solange sich der Fleischkonsum weiter verringert, sollte auch genügend Soja für die Weiterverarbeitung in vegetarische Produkte zur Verfügung stehen.

 

Über The Mother Nature GmbH

Das Unternehmen ist das Berliner Start-Up um die The Mother Nature App, die es Nutzer:innen erlaubt, die eigenen CO2-Emissionen herauszufinden und diese im Alltag mit Hilfe von personalisierten Tipps spielerisch nachhaltig zu verringern. Nicht vermeidbare Emissionen können direkt in der App über nach internationalen Standards zertifizierte Nachhaltigkeits-Projekte kompensiert werden. Zusätzlich können sich Nutzer:innen in der Community untereinander zum Thema Nachhaltigkeit austauschen und gegenseitig motivieren. 

Website: https://themothernature.app/
Instagram: @themothernatureapp

Pressekontakt:
Ralf Kruthoff-Brüwer
[email protected]

 

Quellen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2020). Deutschland, wie es isst. Der BMEL-Ernährungsreport 2020. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/ernaehrungsreport-2020.pdf?__blob=publicationFile&v=20

Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Genesis-Online, Vierteljährliche Produktionserhebung i.Verarb.Gew., abgerufen am 14.10.2020

DLG (2017). DLG-Studie 2017. Akzeptanz und Käuferverhalten bei Fleischersatzprodukten.
https://www.dlg.org/fileadmin/downloads/lebensmittel/themen/publikationen/studien/DLG-Studie_Fleischersatz_2017.pdf 

Érica Geraldes Castanheiraa and Fausto Freire (2012). Greenhouse gas assessment of soybean production: implications of land use change and different cultivation systems
https://estudogeral.sib.uc.pt/bitstream/10316/27395/1/Greenhouse%20gas%20assessment%20of%20soybean%20production.pdf 

European Environment Agency (2019) Trends and projections in Europe 2019
https://www.eea.europa.eu/publications/trends-and-projections-in-europe-1

ifeu (2020). Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland
https://www.ifeu.de/wp-content/uploads/Reinhardt-Gaertner-Wagner-2020-Oekologische-Fußabdruecke-von-Lebensmitteln-und-Gerichten-in-Deutschland-ifeu-2020.pdf

Statistisches Bundesamt (Destatis). 2020. Vegetarische und vegane Lebensmittel: Produktion steigt im 1. Quartal 2020 um 37%
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2020/PD20_30_p002.html 

Umweltbundesamt (2020). Die Zukunft im Blick: Fleisch der Zukunft. Trendbericht zur Abschätzung der Umweltwirkungen von pflanzlichen Fleischersatzprodukten, essbaren Insekten und In-vitro-Fleisch.
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2020-06-25_trendanalyse_fleisch-der-zukunft_web_bf.pdf 

Vegan.eu (2015). Umfrage: Veganer verzehren vegane Ersatzprodukte nur sparsam
http://www.vegan.eu/vegan-ersatzprodukte/ abgerufen am 14.10.2020